Anécdotas

Im Ausland in einer anderen Kultur tritt man nochmal öfter in Fettnäpfchen. Dinge, die man immer schon so gemacht hat, überdenkt man nochmal. Und genau diese Geschichten sollen hier Platz finden.

Anécdotas

Ein paar kleine Anekdoten aus meinem Jahr in Peru, die es nicht zu einem eigenen Blog-Beitrag geschafft haben/schaffen. Viel Spaß beim Schmunzeln, Nachdenken, Kopf-schütteln, oder wonach euch sonst noch ist 😉

¿Sabes dibujar?

Mein zweiter Tag im Kindergarten. Ich war in der Gruppe der 4-Jährigen. Nach dem Morgenritual haben die Kinder ein wenig Freispiel. Ich habe also nichts zu tun und setze mich zu einer Horde Mädchen an den Basteltisch. Und werde ausgefragt. Wo kommst du her? Was machst du hier? Wie bist du hergekommen? Wie lange bleibst du? Was hast du da im Gesicht? Ist das eine Krankheit? (Sie meinten meine Sommersprossen). Und irgendwann kam dann die Frage „¿Sabes dibujar?“ Ich hätte doch mehr Vokabeln lernen sollen. „Sabes“ heißt „kannst du“. So weit so gut. Aber was um alles in der Welt war nochmal „dibujar“? Ich wusste, ich hätte das in der Schule lernen sollen. Wusste es aber nicht mehr. Mich schauen erwartungsvolle Augen an. Sie erwarten eine Antwort. Ich will nicht zu viel versprechen, also sage ich „No“. Die Augen werden immer größer. Mist. Ich glaube, das war die falsche Antwort. Ich versuche den bohrenden Blicken auszuweichen, indem ich ein Blatt Papier nehme und etwas vor mich hinkritzele. Die Blicke bleiben stechend und die Mädels fangen an zu tuscheln. Als die Freispielzeit endlich vorbei war und ich einen kurzen Augenblick Zeit hatte um im Wörterbuch nachzuschauen, wusste ich warum die Mädchen so entsetzt waren. Dibujar = zeichnen.

Die Fliege

An einem Tag im Kindergarten gab es eine besondere Attraktion: Hannes –ein Kind aus meiner Gruppe –hat eine Fliege festgeklebt. Wie er das geschafft hat, weiß ich nicht, aber die Fliege klebte an einem Stück Papier fest. Ich habe mich der Fliege angenommen und sie von dem Papier befreit. Weil ihre Flügel aber trotzdem noch ein bisschen verklebt waren, konnte sie nicht mehr fliegen und blieb auf meinem Finger sitzen. Das war sehr spannend. So konnten alle die Fliege begutachten ohne, dass sie wegflog. Irgendwann habe ich sie dann aber zum Leidwesen aller Kinder in die Freiheit entlassen. Ob sie überlebt hat, weiß ich nicht, aber es war schon cool, eine Fliege auf dem Finger sitzen zu haben…

Von Hennen und Kindern

Schon mal ne Henne auf dem Arm gehabt? Ich jetzt schon. Scheinbar ist auch hier das praktisch verknüpfte Lernen zumindest manchmal angekommen, denn wir hatten eine Henne im Salon (Gruppenraum). Profesora Ruth (wörtlich „Lehrerin Ruth“ ~ die leitende Erzieherin der Gruppe) hat sie mitgebracht um den Kindern am lebenden Beispiel zu zeigen, was Vögel haben: patas (Füße), alas (Flügel), plumas (Federn), ojos (Augen) und pico (Schnabel). Die Henne durfte dann den ganzen Tag frei im Salon herumlaufen und war eine Attraktion nicht nur für die Kinder. Aber abgesehen von ein paar „Wutanfällen “ war das Tier echt ruhig. Ganz im Gegensatz zu den Kindern, die sie ständig ärgern wollten…

Wenn der Flur sich in einen Swimmingpool verwandelt und man lernt, dass man Wasser auch sehr gut mit Besen und Kehrblech aufsammeln kann…

Ja. Es kommt vor, dass sich der Flur vor unserer Wohnung in einen Swimmingpool verwandelt. Das liegt dann nicht daran, dass wir so gerne in der Schule baden wollen, sondern daran, dass es im Moment sehr viel regnet. Wenn es gleichzeitig auch noch windig ist, dann regnet alles in den offenen Flur… So war das auch letzten Sonntag. Da haben wir dann eine Putz- und Anti-Überflutungs-Aktion gestartet: Besen, Kehrblech und leeren (!) Mülleimer geholt und ran an die Arbeit. Einer fegt das Wasser zu einer Stelle, der/die andere fängt es mit dem Kehrblech auf und schüttet es in den Mülleimer. Wenn der Mülleimer voll ist, wird er ausgelehrt (nicht wieder im Flur, sondern nach unten…) Das Problem ist, dass es vor unserer Wohnung keinen Abfluss nach unten gibt, so wie in den anderen Stockwerken. Da muss man das Wasser dann nur vorsichtig zu den Abflüssen kehren und dabei mit Hilfe eines Lappens aufpassen, dass das Wasser nicht die Treppen runterfließt. Aber wir haben sehr viel Glück mit unserer Wohnung, denn unsere Wohnung ist – im Gegensatz zu den anderen – zur Tür hin abschüssig, so dass das Wasser nicht so weit in die Wohnung fließt. In den anderen Wohnungen haben wir auch innen Wasser wegschaffen müssen… Insgesamt haben wir Sonntag über 100 Liter an Wasser nur bei uns vor der Wohnung aufgesammelt und weggeschüttet!

Von Linien und Sportplätzen

Hat sich irgendwer jemals schon gefragt, wie die bunten Linien auf den Boden einer Sporthalle/ eines Sportplatzes kommen? Ich schon. Und ich war schon mehrfach live dabei, als sie hier von Hand nachgemalt wurden. (unser Hausmeister Joel macht das immer wieder). Aber jetzt war ich auch live dabei, als die Basketballlinien dazu kamen! Mit Klebeband, Schnur, Zollstock, Stift und ganz viel grüner Farbe. Die armen waren sogar zu zweit am Werk, auf dass es fertig wird, bis die Schüler wiederkommen. Aber schon eine Woche später waren die Linien nicht mehr so makellos. Schon krass, was 250 Schüler so anrichten...

Kultur - oder vom Tanzen und vom Sicherheitsabstand

Vor ein paar Wochen wurden wir von einer Freundin zu einem „Tanzfestival“ in ihrer Uni eingeladen, wo sie auch getanzt hat. Wir sind also in einer kleinen Gruppe zum Zuschauen gekommen. Das ganze entpuppte sich dann als Wettbewerb zwischen den Kursen, die jeweils eine Choreografie einstudiert und so die verschiedenen Teile Perus tänzerisch widergespiegelt haben. Eigentlich war es echt spannend. Vor allem weil wir einen Peruaner dabei hatten, der sich da recht gut auskennt und uns dann zusätzliche Informationen geben konnte. 😊
Abgeschlossen wurde das Festival mit einem immensen Feuerwerk, das an einem Holzgestell befestigt worden war. Von Sicherheitsabstand oder Ähnlichem natürlich keine Spur… Aber beeindruckend war es schon!

Pampamichi

Das war irgendwie auch so ein bisschen ein Tag mit falschen Erwartungen. Aber von vorne: Wir wurden gefragt, ob wir nicht Lust haben, mit dem Kindergarten einen Ausflug zu machen. Wir haben natürlich zugesagt. 😊 Schließlich lässt man sich einen Ausflug nicht entgehen, wenn die Kindergartenkinder etwas erklärt bekommen, versteht man das wenigstens auch und ein wenig kulturelle Bildung zu genießen kann ja auch nicht schaden. Außerdem sind normalerweise die Eltern dabei, so dass das Ganze recht gechillt ist. 😉 So weit die Theorie. Die Praxis sah leider anders aus: Es waren keine Eltern da. Das heißt wir waren mit ungefähr 60 Kindern und 8 Erwachsenen unterwegs, die Erklärungen hat man schon rein akustisch nicht verstanden, kulturell wertvoll war das leider nicht, denn das war eine reine Touristen-Veranstaltung. Und gechillt war das ganze überhaupt nicht, weil 4 der 6 Erzieherinnen die Kaffee-Tour auch wirklich genutzt haben und mehr in den Läden waren als bei ihren Kindern und wir damit doch nicht so viele Aufsichtspersonen waren...

Aber grundsätzlich war es schon schön dort. Hier ein paar bewegte Eindrücke aus Pampa Michi: