Meine Arbeit in Peru
In einem IJFD muss man arbeiten. Klar. Bei uns war das Thema nicht so einfach... Hier eine kleine Übersicht über das, was wir (bzw. ich) gearbeitet haben.
In meiner Zeit in Peru musste ich natürlich auch arbeiten. Ich war in einer Schule mit Kindergarten. Die Freiwilligen, die vor uns da waren haben mehr oder weniger selbstständig unterrichtet. Wegen einer Gesetzesreform durften wir das nicht mehr. Die Menschen, die für uns zuständig waren, wussten dann nicht so genau, wie sie uns einsetzen wollen. Fast jeden Monat gab es eine neue Idee, wo man uns am besten brauchen kann. Und dann hatten wir ja auch noch Vorstellungen von dem, wofür wir nach Peru gereist sind. Deshalb kann man meine Arbeit nicht so allgemein zusammenfassen. Ich habe also alle meine alten Rundbriefe mal durchforstet und die Passagen über meine Arbeit herauskopiert. Es sind alles Momentaufnahmen, also nicht wundern, dass sich ständig was ändert. 😉
Ende Juli 2015
Meine Arbeit ist vor allem im Kindergarten zu finden. Dort helfe ich vorläufig montags, mittwochs und freitags bei den drei-Jährigen und dienstags und donnerstags bei den vier-Jährigen. Da kann ich dann auch bei der Verständigung für die Kinder der einen Missionarsfamilie helfen, bis sie wieder besser Spanisch können. Eine genauere Vorstellung von meiner Arbeit habe ich aber noch nicht. Da muss ich noch schauen, wie selbstständig ich sein kann und in wie weit ich mich anpassen muss. Gerade was die hiesige Pädagogik angeht. (Eine Einschätzung, wie der Kindergarten so aussieht, kannst du hier nachlesen)
Morgens ab 7:15 Uhr werde ich beim „entrada del colegio“ (Ankommen der Schüler) helfen. Dabei ist meine Aufgabe, die Schüler zu begrüßen, die Agenda (~Hausaufgabenheft), die Schuluniform und die Frisur zu überprüfen und die „zu-spät-Kommer“ aus dem Verkehr zu ziehen. Die Schüler, die zu spät wären, werden die erste Stunde über in eine extra-Klasse gesteckt, bei der sie lesen müssen und dürfen dann erst zur zweiten Stünde in den Unterricht. Diese „zu-spät-Kommer-Klasse“ müssen Mara und/oder ich dann beaufsichtigen. Da muss sich aber noch herausstellen, ob das funktioniert, denn je nach dem überschneidet sie sich mit unserer anderen Arbeit. Neuerdings wird die zu spät-Kommer-Klasse mit Schülern von den Kindern aus dem Kindergarten, die zu spät wären abgelöst. Ich komme dann mit den Kindergartenkindern, die zu spät wären in den Kindergarten und fange deshalb dort erst um 9:00 Uhr an.
Nachmittags werde ich „talleres“ (~AGs) anbieten bzw. bei talleres anderer helfen. Bisher bin ich jedoch nur für den Gitarrenunterricht vorgesehen und in der Jungschar eingebunden. Dort findet bisher aber noch nichts statt. Wir werden sehen, wann ich damit anfange.
Letzte Woche war der erste Probelauf für meine Arbeit. Bei mir hat auch das meiste geklappt – im Gegensatz zu Mara, bei der sich schon letzte Woche einige Dinge verschoben haben. Sie hilft beim Kunstunterricht, macht Bibliotheksaufsicht, macht von der deutschen Fernschule das Vorschulprogramm mit Ben und hilft freitags bei den 5-jährigen im Kindergarten. Diese Woche wird die Arbeit aber wahrscheinlich noch einmal umverteilt. Auch weil dieses Wochenende Timon und seine Frau Hanna angekommen sind. Die beiden bleiben für sieben Monate hier und brauchen auch Arbeit.

Ende August 2015
Ich werde weiterhin den Entrada machen, jedoch wurden die Zu-Spät-Kommer-Klassen auf 15 Minuten reduziert, wodurch die Schüler nur die Andacht verpassen, aber pünktlich zum Unterricht kommen. Für mich ergibt sich so eine halbe Stunde „Pause“ in der ich den Eingang beobachten, eventuelle Viel-Zu-Spät-Kommer abfangen und die Loncheras (Taschen mit Essen) entgegennehmen muss. Nach dem Entrada bin ich jetzt immer in der Gruppe der drei-Jährigen. So kann ich mich viel besser einbringen. Und wenn man nur 22 Namen von Kindern, die sich fast alle fast gleich sehen, lernen muss, ist das wesentlich einfacher, als 44 Namen... 😊
Nachmittags helfe ich jetzt bei den Musik-talleres. Ich bin beim Gitarren- und Klavierunterricht, wobei ich mich vor allem beim Gitarrenunterricht häufig überflüssig fühle, weil ich nicht wirklich mehr kann, als die Schüler. Ich lerne nur schneller. Beim Klavierunterricht ist das ganz anders: Die Schüler sitzen alle mit Kopfhörern an ihren Keyboards und üben das, was der Lehrer ihnen gegeben hat. Ich kontrolliere und korrigiere dann die Schüler.
Dezember 2015
Unser Direktor ist nicht mehr Direktor. Vorläufig wurde ein Mitglied der Promotoría (sowas wie Vorstand) offizieller Direktor, für das Schulinterne zuständig war ein Lehrer. Der kam kurz nach dem letzten Rundbrief auf Mara und mich zu um unsere Arbeit umzustrukturieren:
Bürozeit... Ja. Wir haben unser eigenes „Büro“ bekommen. Es bestand zwar nur aus einem Schreibtisch mit Gartenstuhl (Wir mussten nicht auf einem Holzstuhl sitzen!), aber wir haben überall stolz erzählt, ein Büro zu haben. Das macht Eindruck… 😉 Meine Arbeit im Büro bestand daraus, die Agendas (Hausaufgabenhefte) der Klassen 1-3 und zu kontrollieren, Kinder zu betreuen, die aus dem Unterricht geworfen wurden, Kopien machen und spontan Klassen übernehmen, wenn Lehrer fehlten. Doch nach einer Woche habe ich herausgehandelt, mehr Freiheiten zu haben. So konnte ich beispielsweise ein Musikprojekt im Kindergarten starten. Und auch sonst war ich kaum noch in meinem Büro, weil ich ständig wo anders gebraucht wurde… So habe ich irgendwann mein Büro doch wieder aufgelöst. Eigentlich schade. 😉
Musikprojekt im Kindergarten
Ich dachte, ich nutze mal meine musikalischen Fähigkeiten und starte ein Musikprojekt. Ich habe mich für den Karneval der Tiere entschieden. Doch weil das Schuljahr doch schon sehr fortgeschritten war und mir durch meine Büroarbeit noch mehr Zeit genommen wurde, konnte ich nur 5 Tiere durchnehmen. Die haben mehr oder weniger gut geklappt. Zu jedem Tier hatte ich etwas spezielles: Die Hennen haben wir getanzt (der absolute Lieblingstanz der 3-Jährigen), bei den Elefanten hatten wir Tücher als Rüssel, die Vögel haben wir mit Musikinstrumenten nachgemacht (das war am schwierigsten zu kontrollieren, weil die Instrumente einfach total spannend waren…), bei den Schildkröten haben wir Cancan getanzt und beim Schwan haben wir uns mit Kopfkissen hingelegt und zugehört (eine ist sogar eingeschlafen…) Die Geschichte, die ich am Schluss geplant habe, habe ich leider abbrechen müssen, denn die Kinder waren durch zu viele Aktionen am letzten Kindergarten-Tag überfordert und dann absolut nicht mehr aufmerksam. Das war zwar schade, aber ich habe schon die Anfrage für nächstes Jahr. 😊
Zwischen Dezember und März waren Sommerferien. Ich hatte teilweise Urlaub und war auf Rundreise durch Peru. Ansonsten waren wir mit kleineren Aufgaben beschäftigt.
März 2016
Die Schüler hatten offiziell schon eine Woche Schule als wir angekommen sind. Auf dem Weg nach San Ramón haben wir aber noch ein paar Schüler getroffen, die Urlaub gemacht hatten und weil es kein Pase (Durchgang - die Straße war gesperrt) gab, sind sie noch nicht wieder nach San Ramón gekommen.
Als wir aber montags ankamen (nach ca. 11 Stunden Fahrt kamen wir montagmorgens an) hatten wir ziemlich sofort ein Gespräch mit dem internen Koordinator, der den Schulleiter intern vertritt, denn wir wussten noch nicht, was wir in den kommenden Monaten arbeiten werden, obwohl wir schon mehrere Gespräche mit den Verantwortlichen geführt hatten... Unsere Ideen waren aber alle nicht eingeplant… Er wollte uns dann wieder lauter Auxiliar-Aufgaben aufdrücken (angefangen von Agendas kontrollieren bis hin zu in-der-ersten-Klasse-helfen) Nach einiger Zeit Gespräch haben wir uns aber halbwegs geeinigt. Ganz klar sind aber bisher nur wenige Aufgaben: Ich darf je einmal in der Woche im Kindergarten 40 Minuten Musik unterrichten: dienstags 3-jährige, donnerstags 5-jährige und freitags 4-jährige. Wie das konkret aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber ich habe schon viele Ideen. Für den Musikunterricht werden wir zusammen in den Musikraum gehen und dort den Teppichboden, die super Soundanlage und die Instrumente nutzen. Ich habe eingeführt, dass die Kinder im Musikraum ohne Schuhe laufen, denn das ist viel bequemer. Außerdem laufen sie sowohl im Kindergarten als auch zu Hause den ganzen Tag nur in Schuhen rum, so dass es mir ein echtes Anliegen ist, sie auch mal von den Schuhen zu befreien.
So wie es vor kurzem noch aussah, dürfen Mara und ich auch zusammen den Reliunterricht der Klassen 6-8 übernehmen. Leider wurde jetzt doch noch ein „Lehrer“ gefunden, so dass wir die Stunden zu dritt halten. Da es weder Lehrplan noch Examines in Religion gibt, dürfen wir dort – mit Absprache – machen, was wir wollen: Singen, tanzen, Theater spielen, Bibel lesen, Spielen, Filme schauen, Arbeitsblätter ausfüllen lassen, Musical einstudieren, … Wir hatten schon total viele gute Ideen und wollten den Unterricht möglichst ansprechend gestalten. Inzwischen läuft die Stunde aber leider so, dass ich eine kleine Lobpreiszeit mache (Mara hilft dabei beim Singen), dann hält Carlos (der Relilehrer) seine Einheit zu irgendeiner Bibelstelle (bisher war es immer sehr langweilig). Um die Schüler wieder zu wecken, machen Mara und/oder ich ein Spiel und dann ist die Doppelstunde endlich vorbei. Manchmal werden Mara und ich aber auch eine ganze Stunde bekommen, wo wir dann „unsere Projekte“ machen können. Ich bin gespannt, wie es klappt, da die Absprachen zu dritt nie so ganz einfach sind und Mara und ich häufig ein wenig gegen Carlos arbeiten, aber wenigstens sind wir so nicht mehr nur die „Bad guys“ 😉
April 2016
Das ist schon ein sehr heikles Thema, was ich schon im letzten Rundbrief ein wenig angeschnitten habe: Was arbeiten wir jetzt eigentlich? Gute Frage... Ersteinmal bin ich weiterhin im Kindergarten um dort Musik zu unterrichten (die Kinder – vor allem die 4-Jährigen, also „meine“ Gruppe – freuen sich total darauf) auch war ich die letzten Wochen weiterhin im Reliunterricht, wobei uns dort sukzessive die Aufgaben weggenommen wurden. Wir singen inzwischen also nur noch 3-5 Lieder und den Rest der Stunde sitze ich hinten im Unterricht, schaue zu, kümmere mich evtl. um laute Kinder, helfe manchmal mit der Technik oder bereite schon mal Sachen vor. Außerdem bin ich ein paar Stunden in der 2. Klasse um dort zu helfen, was von einfach nur da sein über Aufsicht bei Examen, eins-zu-eins-Betreuung eines beeinträchtigten Kindes bis hin zu selbst „unterrichten“ alles sein kann. Je nachdem, wo ich gebraucht werde. Ansonsten bin ich fürs Bücher einbinden eingestellt. Nachmittags habe ich jetzt zwei „Talleres“ (Ropeskipping und christliche Choreografie), wobei das noch nicht so ganz ins Rollen gekommen ist. Da bin ich noch sehr gespannt, wann es da einen Kern gibt, mit dem man rechnen kann.
Zusätzlich helfe ich bei „Nueva Generación“ (neue Generation), einer Jungscharstunde in der Schule für 4., 5. und 6. Klasse, bei „Entre Amigos“ (unter Freunden), dem Gleichen für die Klassen 7, 8 und 9 und helfe Mara bei ihrem Taller für den Kindergarten, wo wir mit den Kindern spielen, Bibel-geschichten erleben und christliche Lieder singen.
Außerdem ist nahezu jeden Nachmittag für 1,5 Stunden die Bibliothek geöffnet, wo ich die Aufsicht habe und die Kinder zum Lesen und zu einem guten Umgang mit Büchern und der Bibliothek ermutigen will.
Mai 2016
Nachdem er sich in letzter Zeit wirklich wöchentlich geändert hat, bin ich eigentlich ganz froh, jetzt seit Ende April den gleichen Stundenplan zu haben... Auch wenn er an manchen Stellen in meinen Augen nicht ganz sinnvoll ist, ich will ihn nicht ändern. Denn den kann ich mir jetzt wenigstens merken... 😉
Morgens fange ich wieder mit Entrada an, wobei jetzt die Schüler einzeln an mir vorbei und sich den Stempel für die Agenda abholen müssen. Ich sitze also die meiste Zeit nur da und versuche den Schülermassen gerecht zu werden. Leider fällt dadurch der Plausch mit den Schülern größtenteils flach, denn dafür ist keine Zeit. (Wie das so aussieht, kannst du hier im Zeitraffer anschauen) Danach helfe ich 3 Zeitstunden in der ersten Klasse. Dort schneide ich vor allem Arbeitsblätter zurecht, klebe sie in die Hefte, korrigiere Arbeitsblätter, Hausaufgaben, Tests, …, spitze Stifte, bin Kummerkasten für die Kinder, spiele und singe zwischendurch mit den Kindern und bin einfach da, wenn man mich braucht. Nur freitags gehe ich früher aus der ersten Klasse, denn da habe ich zusammen mit Mara Reliunterricht, den sie aufgrund von Lehrermangel an uns abgegeben haben.
Ab 11:15 stehe ich dann fast ausschließlich für den Kindergarten zur Verfügung: Dienstag, Donnerstag und Freitag Musikunterricht und Montag und Mittwoch helfe ich dort, wo ich nötig bin.
Nachmittags öffne ich weiterhin die Bibliothek – wenn auch nur noch zweimal wöchentlich – und biete Ropeskipping und christliches Tanzen an. Meine Talleres werden inzwischen halbwegs nachgefragt: Ropeskipping vergessen die Schüler immer und fragen immer Dienstag, wann denn endlich wieder Ropeskipping ist (immer montags) und nach meiner Kampagne fürs Tanzen kommen täglich Kinder auf mich zu und fragen, wann wir endlich wieder tanzen. Wobei die dann auch wirklich kommen. 😊 Inzwischen habe ich beim Tanzen eine Kinderhorde von 20-30 Kindern wöchentlich. Und es scheint ihnen echt Spaß zu machen. 😊
Mittwochs und freitags helfe ich weiterhin bei den Jungscharangeboten der Schule, wobei sich meine Aufgaben dort noch einspielen müssen.
Ein paar Gedanken im Nachhinein:
Wenn ich so im Nachhinein meine Rundbriefe, Mails und Tagebucheinträge zum Thema Arbeit lese, war ich glaub ich immer wieder echt frustriert. Inzwischen habe ich die negativen Seiten überwiegend verdrängt und erinnere mich vor allem an die Dinge, die ich gestartet habe. Ich weiß zwar nicht, wie nachhaltig mein Wirken dort war, aber das ist auch nicht so wichtig, denn ganz unabhängig davon: mich hat die Arbeit dort nachhaltig verändert.