Besuche bei Peruanern
In so einem Jahr im Ausland lernt man lauter neue Leute kennen. Und je besser man die Locals kennenlernt, desto besser lernt man auch die Kultur kennen. Und das wollte ich ja.

Wenn du die Speisen ablehnst, die Brauchtümer ignorierst, die Religion fürchtest und die Menschen meidest, bleibst du besser Zuhause.
James Michener
In einem Jahr kann man viele Menschen kennenlernen, Freundschaften knüpfen und die Kultur kennenlernen. Hier habe ich mal ein bisschen zusammengetragen, wie unser Kontakt zu Einheimischen aussah.
Menschen besuchen - in die Kultur eintauchen.
Wir haben im Dezember eine junge Mutter aus der Jugendgruppe an ihrem 18. Geburtstag besucht, waren bei einem Mädchen aus der Jugendgruppe zum Filmschauen eingeladen und haben die Helferin (Ada) von „meiner“ Kindergartengruppe besucht, die wegen eines Motorradunfalls nicht mehr kommen konnte. Der Unfall ist sehr glimpflich ausgegangen. Der Tochter ist nichts passiert (nur ihr Helm ist kaputt) und die Mutter hat auch nur aufgeschürfte Hände und Beine und ein ausgekugeltes Kniegelenk. Für mich war es echt spannend, Peruaner zu Hause zu besuchen. Wenn man den Teil ihres Lebens gesehen hat, kann man echt viel verstehen. Der Weg zu Ada war sehr beschwerlich, denn unser Mototaxi war irgendwie nicht so gut. Auf dem Weg ist es mehrfach ausgegangen. „No problema“ und wir sind weitergefahren, aber irgendwann meinte der Moto-Fahrer, dass er jetzt nicht mehr weiterfahren könne, denn das sei jetzt zu steil. Also sind wir zu Fuß weitergelaufen. Aus dem kurzen Ausflug wurde fast eine richtige Wanderung. Da kann man dann doch verstehen, dass Ada manchmal zu spät kommt und sich immer wieder beschwert, dass sie morgens kein Wasser hatte…


Adas Garten – ein Paradies auf Erden?
Ok. Vielleicht nicht ganz so übertrieben, aber ihr Garten ist super! :) So habe ich Zuckerrohr geschält und gegessen (echt cool, auch wenn es schon ein komisches Gefühl ist, auf einem Stück Holz herumzukauen), mal wieder frische Mangos gegessen – die sind auch auf dem Markt grad recht billig, weil sie gerade alle reif sind (1 Kilo 2 Soles – ca. 0,60€) – und gelernt, wie man sie ohne Messer und ohne zu tropfen essen kann, frische Ananas gegessen (da habe ich getropft…) und Kakao gepflückt und aufgeschnitten. Die Kerne kann man frisch in den Mund nehmen und lutschen. Ist echt lecker, wenn man nicht davon ausgeht, dass sie wie Kakao schmecken. Dafür muss man sie erst trocknen, aufbrechen, mahlen und dann hat man erst Kakaopulver, was man mit Zucker und Milch zu Kakao verarbeiten kann.
Krankenbesuch
Im April waren wir mit der gesamten Jugend bei einer Lehrerin zu Hause, die einen Unfall hatte und deshalb das Haus nicht verlassen konnte. In dem Blogbeitrag geht es zwar nicht primär darum, wie es bei ihr zu Hause aussah, ist aber vielleicht trotzdem spannend 😉 Auch sie lebte ein wenig außerhalb von San Ramón. Sie hatte aber keinen Garten, sondern eine riesige Wiese vor dem Haus. Für uns war es super, aber ich glaube, sie hatte nicht so viel von unserem Besuch.
Gastfreundschaft
Meistens kamen unsere peruanischen Freunde zu uns und haben bei uns gekocht und sich mit uns unterhalten. Vor allem aus zwei Gründen:
1. Wir haben in der Schule gewohnt. Die kannte jeder, wir konnten das Sportfeld nutzen, wenn dort gerade kein Unterricht war und wir hatten so sehr viel Platz. Es war auch kein Problem, wenn die ganze Jugend gekommen ist.
2. Wir wohnten im Stadtzentrum. Viele Freunde wohnten weiter außerhalb, wo man als Ausländer nicht unbedingt hinkommt. Und vor Allem auch nicht wieder weg. Peruaner wissen, wie sie nach Hause kommen - im Zweifelsfall lassen sie sich von Freunden mitnehmen oder laufen. Das wollten sie uns nicht zumuten. Als Deutsche - Weiße - und dann auch noch als Frau ist es unter Umständen nicht ganz ungefährlich nachts auf Nebenstraßen unterwegs zu sein.

Trotzdem haben wir viele Leute besucht. Bei so einer Aktion habe ich auch gelernt, wie man eine Kokosnuss von dem haarigen Mantel befreit, der an denen im Laden in Deutschland schon gar nicht mehr da ist. Das ist nämlich echt Arbeit. Wir durften es auch mal probieren, was sehr zur Belustigung von den anwesenden Peruanern beitrug. Dabei habe ich mich mit dem Hammer gar nicht so schlecht angestellt, finde ich. (Wie das aussieht kannst du auf dem Titelbild von diesem Blogbeitrag sehen)
Wir haben uns sogar auch bei Familie von Freunden in Oxapampa und Huancayo zum Übernachten einquartiert und haben nicht nur ein Bett bekommen, sogar auch Verpflegung - inklusive Meerschweinchen in Huancayo! (Wenn du auf die Links drückst, kannst du lesen, was wir dort so erlebt haben)