Erste Eindrücke

Ziemlich genau einen Monat bin ich jetzt in Peru. Zwischen Urlaubsgefühlen und Alltag gibt es einen Zwischenbericht.

Erste Eindrücke

Jetzt bin ich doch schon eine Weile hier...
Es fühlt sich zwar immer noch ziemlich wie Urlaub an (auch wenn ich inzwischen arbeite - einen Überblick über meine Arbeit kannst du hier nachlesen), aber inzwischen ist zumindest ein wenig Alltag in mein/ unser Leben eingekehrt: Inzwischen weiß ich, was ich arbeiten werde, kann mich halbwegs verständigen, habe ein paar neue Kontakte geknüpft und auch unsere Wohnung ist nicht mehr ganz so unordentlich, denn (fast) alles hat inzwischen seinen festen Plätz. Und mein Koffer ist auch angekommen.

Das Essen

Bisher kochen wir noch häufig so wie in Deutschland (Pfannkuchen, Spiegeleier, Nudeln mit Tomatensoße, Reispfanne, Ofengemüse…), aber wir probieren auch immer mehr von hier: frittierte Teigringe, viele frische Früchte (z.B. frische Maracuja, verschiedene Sorten Bananen, verschiedene Sorten Avocado, …) Dabei hätten wir nicht nur positive Erlebnisse: Wir haben Papaya probiert (ist echt nicht lecker, auch wenn sie in Shampoos gut riecht...), unser Kartoffelbrei ist absolut nichts geworden und Kochbananen brauchen wir auch nicht mehr. Obwohl der Bäcker direkt um die Ecke ist, backen wir sehr viel Brot selbst. Das schmeckt einfach besser. Außerdem wird man auch nach 7 Brötchen (für 1 Sol ~ 0,30 €) vom Bäcker noch nicht wirklich satt.
Mit Fleisch haben wir es bisher noch nicht versucht. Da schrecken uns die Theken noch ein wenig ab, denn das Fleisch wird nicht gekühlt und wir wöllten uns gerade verdauungstechnisch erst einmal noch schönen... Doch außerhalb (in Restaurants und in Huancayo) hat das Fleisch (vorwiegend Hühnchen) echt lecker geschmeckt!
Aber auch wenn das Köchen und Backen mit Gasherd und -Backofen nicht so ganz einfach ist und wir uns schön verbrannt haben, schmeckt unser Essen meistens erstaunlich gut. (Einen ausführlicheren Bericht über das Essen in Peru gibts hier)

Angebote in der Schule

In der Schule ist ständig was los: vormittags Unterricht, nachmittags Talleres und abends Angebote für die Eltern. Ich würde schon mehrfach gefragt, ob ich beim Volleyball mitmachen will (bisher habe ich dankend abgelehnt). Auch Fußball findet immer wieder statt. Mir sagt da aber Aerobic mehr zu, das habe ich bisher aber noch nicht gefunden. Außerdem mache ich beim Marinera (typisch peruanischer Tanz) mit. So kann ich noch ein bisschen von der Kultur übernehmen ;) Da haben wir schön in einem Monat eine Aufführung... Der Tanzlehrer hat gesagt „no hay ningún problema“ (Überhaupt kein Problem). Ich brauche nur ein weißes Stofftaschentuch und muss barfuß tanzen... Den Rock leiht man sich aus, denn der ist wohl ziemlich teuer... Aber leider bin ich die Einzige, die die „Grundschritte“ vom Marinera noch nicht wirklich beherrscht, denn die anderen haben schon mindestens ein halbes Jahr Tanztraining hinter sich... (die meisten sogar schon seit dem Kindergarten) Aber wir werden sehen, wie ich mich anstelle. Aber durch das Tanzen habe ich schon einige kleine Freundinnen bzw. Verehrerinnen gefunden, die mich immer, wenn sie mich sehen freudestrahlend begrüßen.

Dadurch, dass wir oben in der Schule wohnen, kann es aber doch sehr laut werden, wenn Veranstaltungen in der Schule sind, oder für diese geprobt wird. Das kann dann durchaus auch bis nachts um 12 dauern... Wie gut, dass ich einen tiefen Schlaf habe und mich so leicht nichts weckt... Mara klärt mich dann morgens immer auf, was in der Nacht alles passiert ist. So bekomme ich einiges mit.

Aber ein eindeutiger Vorteil ist, dass wir den Musikraum benutzen dürfen. So kann ich Gitarre, Klavier, Trompete, … üben und vielleicht sogar neue Instrumente lernen. Nur ein Cello gibt es leider nicht.

Ferien

Als wir ankamen, waren die letzten Schultage, bevor zwei Wochen Ferien angefangen haben. In den Ferien lag auch der „28 de Julio“ (28. Juli – Nationalfeiertag in Peru, an dem die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert wird). Dieser Tag wird mit Märschen (hier haben wir keinen gesehen, aber so wurde es uns berichtet) und Konzerten (die haben wir leider gehört – sie haben die ganze Nacht bis 6 Uhr morgens Lärm gemacht) gefeiert.

Wegen des Nationalfeiertags gab es am Freitag vor den Ferien noch ein Schulfest mit Marinera-Aufführungen, Ehrungen von Schülern und einer Schulband (Da hat sogar der Schulleiter mitgespielt!) Nach den Feiertagen hatten wir ein Gespräch mit dem Schulleiter, in dem wir geklärt haben, was wir arbeiten. Von ihm haben wir dann auch sofort Aufgaben für in den Ferien bekommen. In den Ferien haben wir dann die neuen Arbeitshefte sortiert und überprüft, das Lehrerzimmer aufgeräumt und die Bibliothek auf Vordermann gebracht.

Unsere Freizeit

Bisher haben wir auch viel um San Ramon und der nächsten größeren Stadt „La Merced“ unternommen. Wir waren an einigen Wasserfällen (zwei bei San Ramon). Letztes Wochenende haben wir einen Ausflug nach La Merced gemacht und waren dort auf einer Tour durch einen Fluss. Dabei musste man sieben Wasserfälle passieren, bevor man zum letzten großen Wasserfall kam. Zurück sind wir eine Alternativ-Route gegangen.

In Peru wird sehr viel marschiert. Schön die Kindergartenkinder lernen es. Montags gibt es im Kindergarten eine Formación (Aufstellung), bei der die Gruppen etwas vorführen (z.B. ein Gedicht). Dabei wird auch marschiert und die Nationalhymne gesungen. Die Kinder, die mit der Fahne marschieren dürfen, sind jedes Mal ziemlich stolz. Bevor man wieder in den Salon (Gruppenraum) marschiert, wird noch gebetet. In der Schule gibt es so eine Formacion auch, aber sie findet nicht so oft statt. Hier singt man die National- und Stadthymne. Außerdem werden Ansagen gemacht und man betet.

Neue Beziehungen

Weil wir uns hier auch viel in die Gemeinde einbringen, haben wir schon einige neue Bekanntschaften geschlossen. Mit der Jugend waren wir in den Ferien an zwei Wasserfällen in der Nähe und wenn wir in die Kirche kommen, werden wir sofort von allen mit Handschlag oder Küsschen auf die Wange begrüßt.

Die Missionare sind hier unsere deutschen Bezugspersonen, zu denen wir immer kommen können. Die haben auch WLAN, das wir benützen dürfen, solange unseres noch nicht funktioniert bzw. wir noch nicht im Schul-WLAN registriert sind. Aber da soll noch diese Woche der „Internet-Typ“ kommen und das Internet neu einrichten (es wird schneller!!). Da hoffen und beten wir dann darauf bzw. dafür, dass er unsere deutschen (!) Computer entsprechend einstellt und nichts Falsches macht!

Das Wetter hier

Ursprünglich dachten wir, dass es in der Regenzeit halt regnet und sonst trocken ist. Ist aber nicht so. Hier hat es letzte Woche einige Male geregnet. Und auch wenn das nicht viel war, hat man gesehen, dass die ziemlich tiefen Abflussrinnen am Rand der Straße (ca. 50 cm. Manche mehr, manche weniger) wirklich so tief sein müssen. Da hätte sich doch ein ziemlicher Fluss angesammelt. Und uns würde mehrfach versichert, dass man in der Regenzeit die Rinnen nicht mehr sieht, denn die Straße ist – inklusive der Gehwege – wohl überflutet... Aber insgesamt ist es hier doch immer ziemlich schön. Es ist relativ warm und man muss nicht immer befürchten, dass es morgen dann auf einmal viel kälter ist... Man kann einfach nach Gefühl anziehen, worauf man gerade Lust hat...