Hochzeiten in Peru
Als Deutsche waren wir natürlich auf allen Hochzeiten eingeladen, die im Bekanntenkreis so stattfanden. Und so waren wir auf drei Hochzeiten, die unterschiedlicher nicht sein können. Meine Eindrücke schildere ich euch in diesem Blogbeitrag.
1 Jahr - 3 Hochzeiten. Irgendwie gleich und doch so verschieden.
Erste peruanische Hochzeit
An einem Donnerstag im August (nicht lange, nach unserer Ankunft) sind wir dann morgens mit einem Minivan (12-Sitzer; Mischung aus Taxi und Reisebus; Kostenpunkt: 25 Soles ~ 7 €) nach Huancayo aufgebrochen. Dort haben wir bei einer Lehrerin und ihrer Mutter übernachtet und gegessen. Während wir uns noch auf die Hohe eingestellt haben (~3200 Meter → potenzielle Höhenkrankheit) haben wir Huancayo und Umgebung erkundet. Wir waren z.B. bei „Torre torre“ (Felssäulen bzw. Felsspalten, die die Landschaft zerkluften) und auf verschiedenen Markten in und um Huancayo. Das Essen war typisch peruanisch (mit viel Hühnchen, Reis, Kartoffeln und Yucca – einer kartoffel-ähnlichen Wurzel) und echt lecker. Wir haben es auch erstaunlich gut vertragen. Samstagvormittag hat dann die Hochzeit von einer aus der Jugend aus San Ramon, zu der wir eingeladen waren, angefangen. Das war ein echtes Erlebnis, denn hier läuft eine Hochzeit doch sehr anders ab als in Deutschland. Zum Beispiel war die standesamtliche Trauung im gleichen Raum, wie die Kirchliche und als Mittagessen gab es Hühnchen mit Kartoffeln von Plastiktellern (hat man mit der Hand gegessen) und dazu Pepsi aus der Flasche. Zwischendurch sind die Gäste zum nächsten Kiosk gegangen und haben sich dort mit Chips und Inka-Cola eingedeckt. Sehr speziell war auch die Zeremonie mit den Geschenken, die sehr im Mittelpunkt stehen: erst haben die Familien den Padrinos (Paten) mit Geschenken (u.a. ein Schaf, ein Schwein und ein lebendiges Huhn) einen Tanz vorgeführt und so die Geschenke überreicht. Danach hat das Brautpaar die Geschenke bekommen (u.a. Bett, Schranke, Bugelbretter, …) und den Schenkern jeweils eine Flasche Pepsi gegeben.
Die zweite Hochzeit
Diese Hochzeit war auch echt speziell, wenn auch ganz anders, als die Erste. Geheiratet haben zwei alte Kirchenmitglieder, die wir nicht kannten. Wir waren auch eigentlich nur bei der Hochzeit, weil Mara kurzfristig als Fotografin angestellt wurde (Du hast doch eine Kamera. Kannst du nicht ein paar Fotos machen?). Der Bräutigam hat sich vor der Trauung noch eben taufen lassen. Dafür waren wir in einer Piscina (Schwimmbad) im Ort. Nach dem gemeinsamen Weg zurück in die Kirche wurde die Trauung durchgeführt. Das Ehepaar hat während der gesamten Trauung kein einziges Mal gelächelt. Nach dem Gottesdienst wurden dann noch einige Beiträge vorgeführt. Ein Verwandter hat Gitarre gespielt, andere haben Reden gehalten. Als das alles vorbei war, haben wir das Brautpaar mit Rosen und Reis nach draußen begleitet und die Gesellschaft hat sich aufgelöst. Oder zumindest haben wir nicht noch gefeiert.
Alles in Allem eine sehr triste Hochzeit. Und so ganz anders, als ich Hochzeiten bisher erlebt habe.
Hochzeit Nummer drei
Dieses Mal waren wir nicht nur Besucher, wie sonst. NEIN. Dieses Mal waren wir fest eingebunden. Geheiratet hat Raquel, eine Erzieherin im Kindergarten. Und auf der Hochzeit habe ich einmal mehr gelernt, was ich an meiner Hochzeit NICHT will: lila und türkise Deko, Kunstblumen aus Moosgummi, Essen auf Plastiktellern, was man mit den Fingern isst (ja. Dieses Mal gab’s noch nicht mal Plastikgabeln), einen Gottesdienst, bei dem über die Hälfte der Zeit das Brautpaar nicht anwesend ist… Aber zu meinen Aufgaben: Ich war selbstverständlich in der Band, die sowohl in der Kirche als auch auf der Feier gespielt hat. Außerdem habe ich beim Einzug (bzw. vor allem den Rest des Gottesdienstes) auf die „wichtigen“ Kinder aufgepasst (die mit Bibel, Ringen, Blumen, Seifenblasen und ein Mädchen ohne ersichtliche Funktion) Die durften nämlich nicht zu ihren Eltern, sondern mussten zusammengequetscht in der ersten Reihe sitzen. Ich musste dafür sorgen, dass sie das still gemacht haben und an den richtigen Stellen aufgestanden sind. Auf der Feier war habe ich dann noch in einer Choreografie mitgewirkt, die erstaunlicherweise fast ohne Zwischenfälle funktioniert hat (mein Tanzpartner hat mich nur fast fallen gelassen, aber das bin ich ja fast schon gewohnt). Und nachdem keiner eine Ahnung vom Mischpult hatte, habe ich mal eben auch noch gemischt, wobei das mehr schlecht als recht war. Aber die Peruaner sind da nicht so anspruchsvoll: Hauptsache laut.
Ein paar Gedanken dazu...
Da will man mal was über die Kultur lernen und war bei drei Hochzeiten. Und dann sind die Hochzeiten alle drei so unterschiedlich. Vielleicht lag das an dem unterschiedlichen Alter des Brautpaares. Vielleicht lag das auch daran, dass jeder seinen eingenen Geschmack hat. Sind Hochzeiten in Deutschland auch so unterschiedlich? Oder gibt es doch einen gemeinsamen Kern, der immer dabei ist? Wie würde ich einem Peruaner erklären, wie eine typisch deutsche Hochzeit auszusehen hat? Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich war zwar schon auf so mancher Hochzeit, aber so genau kann ich mich da nicht mehr dran erinnern. Vielleicht ist das ja auch regional total verschieden...
In Zukunft werde ich Hochzeiten bewusster besuchen und mal nachdenken, was eine deutsche Hochzeit so ausmacht. Wenn ich dann mal wieder mit einem Peruaner spreche, frage ich ihn dann, wie das in Peru aussieht. Vielleicht haben die Peruaner ja auch einen ganz anderen Blick auf Hochzeiten, als ich den habe.