Ich und die Musik

Musik ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Das war auch in Peru nicht anders. Wobei... Irgendwie schon.

Ich und die Musik

Ich weiß... Der Esel und so. Aber „die Musik und ich“ klingt nicht so gut 😉

Egal. Anlässlich meines neuen Mund-Nasen-Schutzes, der Noten drauf hat, habe ich mich mal in die Vergangenheit begeben und nachgelesen, wie ich so mit der Musik in Peru in Kontakt kam. Teilweise doppelt es sich mit dem Beitrag über meine Arbeit, aber hier ist der Fokus ein anderer 😉

Ende August 2015:

Nachmittags helfe ich jetzt bei den Musik-talleres. Ich bin beim Gitarren- und Klavierunterricht, wobei ich mich vor allem beim Gitarrenunterricht häufig überflüssig fühle, weil ich nicht wirklich mehr kann, als die Schüler. Ich lerne nur schneller. Beim Klavierunterricht ist das ganz anders: Die Schüler sitzen alle mit Kopfhörern an ihren Keyboards und üben das, was der Lehrer ihnen gegeben hat. Ich kontrolliere und korrigiere dann die Schüler.
Außerdem bringe ich mir gerade das Geigespielen bei – ist gar nicht so schwer wie ich immer dachte. Das Cellospielen bringt da echt viel – um dann in ein paar Wochen bis Monaten – je nach dem, wie ich mich anstelle – Geigenunterricht geben zu können. Da bin ich echt gespannt. Eventuell werde ich dann auch im Kindergarten ein bisschen kürzer treten um mich mehr der Musik zu widmen. Und mich freut es natürlich besonders, wenn sich meine Arbeit in die musische Richtung ausweitet!

Dezember 2015:

Ich dachte, ich nutze mal meine musikalischen Fähigkeiten und starte ein Musikprojekt in meiner Gruppe im Kindergarten.
Wenn du mehr über das Musikprojekt lesen willst: Unten berichte ich noch ein bisschen aus meiner jetzigen Perspektive. Was ich mir 2015 so gedacht habe, kannst du hier nachlesen.

März 2016:

Ich spiele wieder in einer Band. 😊 Irgendwem muss ich erzählt haben, dass ich angefangen habe, Geige zu spielen. Jedenfalls wurde ich von Obed (dem inoffiziellen Bandleiter – offiziell haben wir keinen) eingeladen, zur Probe zu kommen. Eigentlich nur für ein Lied und auch nur für einen speziellen Sonntag, aber nachdem ich schon mal bei der Probe war, konnte ich die anderen Lieder ja auch gleich mitspielen und dann bin ich irgendwie in der Band hängengeblieben. Nachdem dann noch ein Pianist fehlte, wurde Mara auch gleich noch in die Band beordert. Inzwischen bekomme ich es auch ganz gut hin, nicht nach Noten, sondern nach Gitarrengriffen (von anderen) oder nach Gehör zu spielen und auch das Transponieren läuft ganz gut. 😊 Inzwischen weiß ich wenigstens, dass mein Musikunterricht auch sinnvoll war. Nicht nur weil hier alles mit der do-re-mi-… Tonleiter läuft sondern auch weil ich die Harmonien inzwischen so verinnerlicht habe, dass ich vom Blatt transponieren kann und auch ohne Akkorde weiß, was als nächstes kommen kann… Und sogar die peruanischen Rhythmen fallen mir inzwischen nicht mehr schwer. Das freut die Peruaner besonders.
Inzwischen habe ich sogar ein Solo-Lied, wo ich ein Solo spiele und einen Teil auf Deutsch singe – war nicht meine Idee, aber inzwischen genieße ich es ziemlich. 😉

April 2016

Inzwischen bin ich fest in der Band der Gemeinde verankert. Ich spiele jeden Samstag im Jugendgottesdienst, jeden Sonntag im normalen Gottesdienst und mindestens jeden Montag proben wir. Ich spiele inzwischen so viel und „gut“ Geige, dass es sogar zum Ersatz für mein Cello geworden ist. Ich freue mich zwar immer noch auf mein Cello, aber Geigespielen hat schon auch was. Vor allem ist die Geige viel leichter und kleiner und damit viel handlicher und transportfreudiger als das Cello... 😊 Und auch wenn ich manche Soli immer wieder verhaue, werde ich jedes Mal von den anderen Bandmitgliedern total gelobt und ermutigt, weiterzumachen. Als der Bandleiter (Obed) letztens einem Kumpel erzählt hat, was ich spiele meinte er „sie spielt da was Anderes. Keine Ahnung, was sie da eigentlich macht, aber es klingt richtig gut“

Juli 2016:

Ja, ich habe ein(e) Charango, Etwas Ähnliches wir eine Gitarre. Der/die/das Charango ist aber kleiner und hat 10 statt 6 Saiten. Charango gehört zu jeder peruanischen Musikgruppe dazu und ist etwas typisch Peruanisches. Und da ist es fast schon selbstverständlich, dass ich als Instrumenten-Liebhaberin ein(e) mitnehmen muss. Vor allem wenn ich schon angefangen habe, zu üben. Und nachdem ich ganz gute Kontakte zur Musikbranche in Peru habe, habe ich mein(e) Charango auch eigentlich echt billig bekommen. Wenn ich alleine gegangen wäre hätte ich ziemlich sicher das 4-fache gezahlt… Jetzt habe ich aber ein neues Instrument mit Ersatzseiten für knapp 500 Soles (ca. 125 €) gekauft und habe die letzten Tage mit peruanischen Anleitung noch mal kräftig geübt.

Und was denke ich heute darüber?

Tja... Ich hatte große Pläne. Vieles habe ich nie umgesetzt. ABER: Ich habe mir die absoluten Basics vom Geigespielen beigebracht. So viel, dass ich in der Band mitspielen konnte. Darauf bin ich tatsächlich ziemlich stolz, auch wenn ich seit ich wieder in Deutschland bin die Geige fast nicht mehr angerührt habe.

Musikalisch war die Band ziemlich spannend. Wie bei quasi allen Lobpreisbands von Gemeinden haben wir genremäßig alles gespielt. Das meiste kannte ich schon aus Deutschland, wo ich mit meinem Cello in genau solchen Bands immer wieder mitgespielt habe (und auch immer noch mitspiele). Wir haben Hillsong gespielt, deutsche Lobpreislieder, die irgendein Missionar irgendwann mal ins Spanische übersetzt hat. Und dann kamen noch die peruanischen Kirchenlieder dazu, die so gar nicht meinem Repertoire entsprachen. Aber ich lerne ja schnell und habe mich eingefügt. Mit der Geige hatte ich natürlich auch einen entscheidenden Vorteil: Ich konnte einfach spielen, was ich wollte. Solange ich ungefähr den Rhythmus auf die Reihe bekomme (mit der Zeit bekommt man dafür ein Gespür). Die Töne, die zur Auswahl stehen kannte ich (ich wusste ja, in welcher Tonart wir spielen) und dann muss man einfach nur noch mutig sein. Wenn ein Ton doch nicht passt, verwandelt man ihn in eine Durchgangsnote, einen Wechselton oder einen Vorhalt, denn die müssen nicht in die Harmonie passen. 😉 Und wenn man tatsächlich ein bisschen üben würde, könnte man auch die Melodie (bzw. Teile der Melodie) oder eine zweite Stimme spielen. Das war mir aber zu viel Aufwand... Wenn ich zufällig gerade die Töne der Melodie erwischt habe, super, wenn nicht, hab ich halt was anderes gespielt.

Was ich sehr genossen habe war mein Musikprojekt im Kindergarten. Im neuen Schuljahr (also ab April) habe ich dann alle drei Kindergartenklassen unterrichtet. Jeweils eine Stunde pro Woche. Die Gruppen waren total unterschiedlich. Sowohl was die Motivation der Kinder anging, als auch das Niveau der Erzieherinnen. Inzwischen habe ich auch einige Seminare zu dem Thema besucht und einiges Ausbaupotenzial entdeckt, aber an sich war die Arbeit mit den Kindern ganz solide. Ich hoffe nur, dass die Erzieherinnen das auch zumindest ein bisschen weitergeführt haben. Ich habe sogar für jeden Salon (Kindergartengruppe) einen Ordner erstellt, wo ich die Theorie hinter der Musikalischen Bildung erklärt habe. Außerdem habe ich für jeden Salon eine Liederliste angefertigt mit Liedern, die wir schon gesungen haben und die noch schön zu singen wären. Dazu musikalische Spielideen, basale Musiktheorie und einen USB-Stick mit Instrumentalstücken zum Entspannen. Wäre schade, wenn das alles ungenutzt in einem Regal verstauben würde. Vor allem, weil es den Kindern echt gefallen hat!
Falls dich näher interessiert, was ich mit den Kindergartenkindern so gemacht habe (vielleicht auch, was ich heute anders machen würde), schreib's in die Kommentare. Dann schreibe ich dazu einen eigenen Blogbeitrag. 😊