Kirche in Peru
Einen großen Teil meiner Zeit in Peru habe ich in der Gemeinde verbracht. Was mir da so aufgefallen ist, kannst du hier nachlesen.
Ich bin mit einer Mission nach Peru gereist. Das heißt, ich bin nicht nur dort um die Menschen zu unterstützen, sondern auch um das Evangelium zu verbreiten. Klingt vielleicht krass, aber im Endeffekt war es in meinem Fall auch nicht anders, als in Deutschland. Ich habe gearbeitet und habe meine Freizeit in der Gemeinde verbracht. Dort konnte ich direkt neue Freundschaften knüpfen, war beschäftigt, hatte eine Anlaufstelle und nebenbei habe ich mich mit Peruanern über den Glauben ausgetauscht. Dabei habe ich auch jede Menge gelernt, denn Christ ist nicht gleich Christ.
Das wirklich spannende in Peru ist, dass die Abgrenzung zwischen katholisch und evangelisch viel stärker ist. Deshalb ist vieles ganz anders, als in der deutschen Landeskirche, die ich von zu Hause gewohnt war. Was mich am meisten irritiert hat? Dass im Altarraum kein Kreuz hing oder stand, sondern eine peruanische Flagge. (Siehe Titelbild) Kann man sich in Deutschland nicht wirklich vorstellen. Oder hast du schon mal eine Deutschlandflagge in einer Kirche gesehen?
Aber egal. Ich habe mal herausgesucht, was ich in der Zeit in Peru so über Kirche geschrieben habe:
Unser Mädelshauskreis (August 2015)
Wir haben letzten Monat den Mädelshauskreis von Johanna (unsere Vorgängerin) wieder aufleben lassen und neu gegründet. Der Termin überschneidet sich zwar mit dem Marineratraining, aber es ist echt schön, sich mit den Mädels aus der Gemeinde zu unterhalten. Wir haben da meist eine Andacht oder ähnliches, wir singen Lobpreislieder und reden viel. Manchmal werden wir auch kochen. So haben wir schon gelernt, „Papa a la huancaina“ zu kochen. Und auch wenn es ziemlich anstrengend ist, weil wir nicht alles verstehen und manche Mädels, die kommen scheinbar nicht wirklich Lust drauf haben (so müssen wir beispielsweise meistens die Andacht – auf spanisch! – halten, werden wir zu dritt versuchen. den Hauskreis am Leben erhalten.
Jugendkongress in Villa Rica
Nachdem ich wieder gesund war, habe ich beschlossen, auch ohne Mara (die sich lieber nochmal auszuruhen wollte um nicht nächste Woche sofort wieder krank zu sein) auf den Jugendkongress in Villa Rica zu fahren. Wir konnten zwar wegen des Aniversarios erst Samstag früh fahren, aber es war wirklich eine Erfahrung wert. Schon alleine, dass man nach ca. 2 Stunden Fahrt mit dem Micro (privater Minivan) so ein anderes Klima hat (Nachts ist es dort richtig kalt. Und tagsüber ähnlich wie in San Ramón) Das ist man aus Deutschland absolut nicht gewohnt.
Der Kongress bestand aus vielen Predigten, gemeinsamen Essen, Zeit zum gemeinsamen Sport oder Ausflug, einem „bunten Abend“, bei dem jede Jugend irgendwas vorgeführt hat, und wenig Schlaf. Ich war beim Ausflug in eine nahe gelegene Lagune. (siehe Bild unten) Das war echt schön. Und durch die vielen Leute habe ich zwangsläufig viel spanisch gehört und gesprochen. Vor allem weil sich herumgesprochen hat, dass ich aus Deutschland bin und damit jeder mal mit mir reden wollte…

Krass war auch die Rückfahrt vom Kongress, bei der wir mit knapp 30 Leuten in einem Minivan mit 16 Sitzen gefahren sind. „In Deutschland duldet die Polizei das nicht“ – „hier auch nicht. Aber wir müssen ja heim kommen…“ Nach einem Gebet sind wir losgefahren und durch eine Polizeikontrolle gewunken worden. :) Nur leider hat trotz des äußerst vorsichtigen Fahrstils des Fahrers, sich einer im Auto übergeben. Und leider war keine Tüte greifbar. Für die Folgenden haben wir dann schon Tüten rausgesucht. Mir wurde nicht schlecht – aber es hat auch nicht so gestunken, wie ich das aus anderen Bussen kenne… Und die Fahrt habe ich trotzdem sehr genossen, weil eine super Gemeinschaft herrschte und ich mich auch viel unterhalten konnte. 😊

Weihnachten 2015
Darüber gibt es schon einen eigenen Blogartikel! Nur so viel als Spoiler: Es war anders als gedacht. Und das nicht, weil es warm war, denn darauf hatte ich mich vorbereitet – so gut es geht...
März 2016
Nach dem Zwischenseminar haben wir noch eine Nacht in Lima im YMCA übernachtet. Am Sonntag sind wir dann noch mit den anderen Kurzzeitlern in einen Hillsong-Gottesdienst gegangen. Das war ein echt krasses Erlebnis, denn der Gottesdienst war komplett anders, als unserer. Der Predigt konnte ich
zwar nicht so ganz folgen, aber der Lobpreis war viel intensiver, professioneller und die Leute haben auf „2“ und „4“ geklatscht (😊), aber ich glaube, auf Dauer wäre der Gottesdienst dann doch nichts für mich… Schon allein weil er viel zu groß ist. Bei uns kennt man quasi jeden und wir haben inzwischen eine richtig gute Gemeinschaft vor allem in der Jugend. Das genieße ich inzwischen auch sehr!
Ostern 2016
Da wird es auch noch einen eigenen Blogartikel geben. Spoiler: Ostern war auch ganz anders, als gedacht. Aber nicht ganz so anders, wie Weihnachten... Sobald der Blogbeitrag online geht, kannst du ihn hier finden.
Kirche im April 2016
Die Jugendlichen sind seit Juli total zusammen-gewachsen. Am Anfang gab es den Gottesdienst und danach ist einfach jeder nach Hause gegangen. Inzwischen gehen wir (fast) jeden Samstag danach noch zusammen essen, die, die Geld haben, zahlen das Essen für die, die keines haben, wir treffen uns häufig im Park um was essen zu gehen oder auch einfach um zusammen abzuhängen, die Jugendlichen kommen in unterschiedlichen Konstellationen zu uns in die Wohnung um bei uns für uns mit uns zu kochen und alle paar Wochen wird zusammen bei irgendwem zu Hause ein Film geschaut.
Selbst wenn alles schiefläuft, ich total im Stress bin, ich mich fehl am Platz fühle, ich muss nur irgendwas mit der Jugend machen und schon geht’s besser. Inzwischen sind die Beziehungen zu vielen Peruanern so tief, dass es mir jetzt schon weh tut, sie hier zu lassen.
Krankenbesuch im April 2016
Letztens hatte eine Lehrerin aus der Schule, die auch regelmäßig in die Jugend kommt, auf dem Weg in die Schule einen „Moto-Unfall“, bei dem zwei Mototaxis gegeneinander gefahren sind, sie aus dem Moto geschleudert wurde und jetzt mit einem Schlüsselbeinbruch zu Hause hängt (liegen kann sie nicht und sitzen eigentlich auch nicht....) Von daher haben wir Jugendlichen kurzerhand beschlossen, den Gemeindesport ausfallen zu lassen und sind aufgebrochen um sie zu besuchen. Nachdem sie etwas außerhalb wohnt, haben wir auf der Straße einen Minivan angehalten, der nur 4 Passagiere hatte und der nach ein bisschen gut zureden die Passagiere rausgeschmissen hat und uns 25 Jugendliche mitgenommen hat. Als wir dann auf der Plaza in ihrem Stadtteil waren, haben wir ihr noch eine Kleinigkeit (3 Liter Inka-Kola und Plastikbecher für uns) gekauft und uns – weil es kein Handysignal gab und keiner wusste, wo sie eigentlich genau wohnt – durchgefragt und das Haus dann tatsächlich gefunden. Wir haben sie besucht, haben die Inka-Kola getrunken, haben zusammen gebetet, gesungen und haben dann noch eine Abwandlung von Völkerball gespielt (sie hat sich im Haus von unserem Besuch erholt).
Als wir dann zurückwollten, war nicht sicher, ob überhaupt noch Carros (jegliche Art von mind. 4-rädrigen Motorfahrzeugen) fahren. Wir sind also den Weg zu Fuß angetreten, bis wir irgendwann einen Minivan gefunden haben, der uns nach San Ramón gefahren hat.
Miraflores im Juni 2016
Das war auch ein sehr spezielles Erlebnis mit den Jugendlichen. Wir sind Samstag morgens aufgebrochen. Angesetzt war um sieben, losgefahren sind wir dann zwar erst um halb neun, so ist das mit Peruanern... In dem Combi war sogar für fast jeden Platz: Der Schlagzeuger hat sich auf den Schlagzeug-Hocker gesetzt und das Kleinkind saß auf dem Schoß. Mit ein paar Unterbrechungen um Essen zu kaufen, sind wir auf einer Art Feldweg gefahren. Das bedeutet im Wald, Erdboden, an manchen Stellen so schmal, dass wir nicht mehr wirklich Platz links und rechts hatten und immer wieder so spitze Hügel oder „Täler“, dass wir oben bzw. unten (fast) aufgesetzt haben, immer wieder welche aussteigen mussten und wir einmal sogar Steine vor das Rad gelegt haben, damit die Kuhle nicht zu tief ist...
In Miraflores haben wir dann Essen bekommen, die Jugendlichen aus dem Ort eingeladen und dann nachmittags Sport gemacht mit allen, die mitmachen wollten und abends haben wir einen Jugendgottesdienst gestaltet. Dort haben wir mit der Band gespielt und einen Tanz vorgeführt (Das Video dazu gibt’s unten). Nachts sind wir dann wieder nach San Ramón gefahren, wo wir dann auch gegen halb eins nachts angekommen sind.
Das Ganze war eine Art Missionseinsatz der Jugend. Die Gemeinde in Miraflores hat normalerweise keine Angebote für Jugendliche und wir wurden eingeladen ihnen dabei zu helfen die jungen Leute aus der Umgebung anzusprechen und auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Im Jugendgottesdienst waren dann auch viele alte und kaum junge Menschen, aber immerhin ein paar. 😉 Ob sie jemals selbst ein Angebot für Jugendliche gemacht haben, weiß ich aber gar nicht...