La Palma – Birigoyo (Nebelwanderung)

Wenn das Wetter nicht so mitspielt, wie man sich das wünscht... Dann kann man entweder umplanen, oder sein Ding durchziehen. Und so kam es zu unserer Nebelwanderung.

La Palma – Birigoyo (Nebelwanderung)

Wir hatten noch einen freien Tag und Lust zu wandern. Wir haben uns eine schöne Route rausgesucht und dann wurde die Wettervorhersage immer schlechter. Wir haben beschlossen, wir fahren einfach über die Wolken – denn über den Wolken regnet es nicht – und wandern da. Also sind wir morgens los, haben vorsorglich Regencapes eingepackt (an Wechselklamotten habe ich nicht gedacht, genauso wenig, wie an ein Handtuch) und sind losgefahren. Erst durch den Nieselregen, später durch den Nebel. Mal war er dichter, mal weniger, aber je näher wir an unser Ziel kamen, desto geringer wurde die Hoffnung, dass wir noch über die Wolken kommen.

Das war uns aber egal. Ich finde Nebel ziemlich faszinierend, wir waren ja gut vorbereitet, ganz so kalt war es auch gar nicht und einfach wieder zurückfahren stand für mich auch nicht zur Debatte. Also sind wir losgezogen – vielleicht sind wir ja nach dem Anstieg am Anfang doch über den Wolken?! Wenn nicht, könnten wir auf jeden Fall nicht die ganze Tour machen… Denn zu dem Nebel kamen auch immer wieder Windböen.

Ich habe mich gefreut, wie ein kleines Kind. Man sah nur sehr eingeschränkt, aber alles sah sehr mystisch aus. Die Nebelschwaden waberten zwischen den Bäumen, kamen zwischen den Bäumen nach unten, alles klang ganz anders und ich hatte das Gefühl auf einer Expedition zu sein. Später wurde das Gefühl immer mal von dem Gedanken „wer kam eigentlich auf die bescheuerte Idee bei Regen und Wind wandern zu gehen“ abgelöst. Aber irgendwie siegte doch das Gefühl etwas ganz Besonderes zu erleben.

Wir gingen eine Weile und dann kam die Frage auf, wie wir weitermachen. Klar war, die Vulkanroute können wir nicht ganz laufen, denn die ist auf dem Kamm und da wird der Wind noch stärker sein, als hier unten. Wir wollten aber noch nicht wieder zurück und so sind wir weiter gelaufen. Ein bisschen durch den Wald, später dann auf einem freistehenden Hang. Den Weg haben wir irgendwann verloren und wir mussten uns unseren eigenen Weg durch das Geröll suchen – auf der Schattenseite vom Vulkan. Nachdem aber auch da irgendwann der Wind ziemlich stark geworden war und nicht alle von uns einen sicheren Tritt im Geröll hatten, sind wir lieber wieder in den Wald gegangen. Dort sind wir im Zickzack Richtung Auto gegangen – immer bergab. Irgendwann sind wir sogar wieder auf einen Pfad, dann auf einen Forstweg und später sogar auf eine Straße gestoßen. Der Regen wurde immer stärker und nach den drei Stunden waren wir komplett durchnässt und durchgefroren – nur meine Füße nicht. Die waren warm und trocken. (Ein hoch auf meine Wanderschuhe!)

Ich hatte immerhin ziemlich am Anfang beschlossen, dass es mir mit Pulli unter dem Regencape zu warm wird und ihn deshalb ausgezogen. So konnte ich zumindest einen trockenen Pulli anziehen. Im Auto hatten wir auch noch zwei trockene Fliespullis/Jacken, sodass die anderen beiden auch ein trockenes Oberteil anziehen konnten. Aber es war schon ein wenig widerlich mit der nassen Hose im Auto zu sitzen. Auf der Autofahrt war deshalb der Gedanke „wer kam eigentlich auf die bescheuerte Idee bei Regen und Wind wandern zu gehen“ wieder sehr präsent. Nach einer heißen Dusche und dem Blick auf die Nebel-Fotos (mit denen ich wahrscheinlich meine Kamera komplett zerstört habe) blieb aber dann doch das Gefühl, dass ich eine ganz besondere Expedition unternommen habe. Hat sich also gelohnt. Ein zweites Mal brauche ich das aber nicht, glaube ich 😉