Schlafen im Zug - wie geht das?
Also ja, ich fahre gerne Zug und ich habe das Nachtfahren als zeit- und geldsparende Alternative zum Hotel lieben gelernt. Wenn man aber niemanden hat, der einem erklärt, worauf man achten sollte, ist man ziemlich schnell sehr frustriert. Hier deshalb ein paar Tipps.

Nachts fahren war eigentlich etwas, was ich seit meiner BahnCard100 nicht mehr gemacht habe. Vorher schon – das waren oft die billigsten Verbindungen. Cool fand ich es aber nicht. Kaum geschlafen, kam ich völlig gerädert irgendwo an und bin erstmal ins Bett gegangen.
Bei den 2,5 Tagen Urlaub im Zug (vielleicht erinnert ihr euch) habe ich da ein bisschen vom Profi gelernt. Eine Anleitung mit seinen Tricks hat Lasse hier veröffentlicht. Ich habe zwar von ihm gelernt, aber schon aufgrund der völlig anderen Körpergröße habe ich da so meine eigenen Konzepte entwickelt. Außerdem mache ich das doch nicht ganz so professionell. 😉 Für die von euch, die auch unprofessionell mal ne Nachtfahrt machen wollen und nicht ganz so groß sind, hier meinte Tipps und Tricks:
Die richtige Strecke
Also klar, wenn man von A nach B muss, kann man da nicht ganz so viel Rücksicht drauf nehmen. Aber die Strecke sollte natürlich auch lang genug sein um auf dem Weg zu schlafen. Die Züge machen einige Umwege und Zwischenstopps und stehen auch mal ne Stunde einfach am Bahnhof. Also sie brauchen schon länger, als tagsüber. Aber natürlich reicht es nicht für eine gute Nachtruhe, von Köln nach Düsseldorf zu fahren (wobei man ja auch tagsüber nicht nach Düsseldorf muss 😜).
Besser eignen sich da so Strecken wie München-Berlin, Frankfurt-Hamburg, Köln-Berlin, Köln-München, …
Damit man auch wirklich die ganze Zeit der Fahrt nutzen kann, ist es natürlich hilfreich, am Anfang einzusteigen und erst am Schluss wieder auszusteigen. Auch wenn das vielleicht nicht die eigentlich geplante Strecke ist, kann man also überlegen, ob man seinem Zug nicht zumindest ein Stück entgegen fährt.
Ein weiterer Pluspunkt: Je früher man einsteigt, desto besser ist die Platzauswahl.
Die Platzauswahl
Womit wir schon zu den Plätzen kommen. Wenn man nicht gerade einen ICE 1 (das Zugmodell mit Abteilen) nimmt, der gar nicht so viel fährt, kann man sich entscheiden, ob man auf einem Doppelsitz schläft oder auf einem Vierersitz. Meine Beine sind zu kurz um auf einem Vierersitz zu schlafen. Deshalb habe ich mich auf Doppelsitze „spezialisiert“.
An sich denkt man ja, es ist ruhiger im Ruhebereich. Das denken vermutlich ganz schön viele Leute. Deshalb ist es dort häufig ziemlich voll und nachdem die Bahn einem gerne Reservierungen in der Mitte des Zuges anbietet, ist es dort auch wieder voller. Wenn man vorbereitet wäre, könnte man auch (bis zu zwei Stunden vor Abfahrt des Zuges) nachschauen, wie es so mit Reservierungen aussieht.
Dafür geht man in den DB-Navigator (oder auf die Bahn-Website) und tut so, als würde man einen Sitzplatz reservieren wollen. Bevor man ihn dann kauft, kann man auswählen, welche Sitzplätze man gerne hätte. Da kann man dann sehen, welche Sitzplätze schon reserviert sind (die kann man nämlich nicht mehr reservieren).
Das verpasse ich meistens. Dann muss man halt bisschen Glück haben um einen leeren Platz finden. Insbesondere wenn die Reservierungsanzeigen nicht funktionieren, ist es immer sehr ärgerlich, wenn man nicht geschaut hat, wo etwas frei ist.
Die Ausrüstung
Was braucht man um im Zug zu schlafen? An sich gar nichts. Ich finde eine Decke sehr angenehm. Man darf nicht zu kalt angezogen sein, denn die Klimaanlage läuft auch nachts und dann kann es durchaus kühl werden. Ich schlafe lieber mit wärmerer Decke und nicht ganz so warmen Klamotten - das ist aber persönliche Präferenz. Ein echter Gamechanger war für mich die Schlafmaske. Eigentlich dachte ich immer, ich kann eh überall schlafen und eine Schlafmaske ist unbequem. Aber: Ich habe eine sehr bequeme Schlafmaske aus Baumwolle bekommen, die ist super. Im Zug ist es doch sehr hell - und wenn man so im Halbschlaf ist, fällt es mir leichter, einfach weiterzuschlafen, wenn ich nicht schaue, woher das Geräusch kommt. Da bin ich mit der Schlafmaske dann disziplinierter. So hat sich mein Schlaf dann doch nochmal verbessert.

Ein Nackenkissen habe ich nicht. Ich schlafe entweder auf dem Rücken (ja, mein Oberkörper ist so kurz, dass ich sogar noch ein bisschen Platz für meine Beine habe, wenn ich auf dem Rücken liege) oder auf der Seite und dann mit den Armen unterm Kopf oder ich falte meine Jacke/meinen Pulli und nutze den als Kopfkissen. Reicht für mich.
Und wie schläft man nun im Zug?
Also: Wir haben uns eine Strecke ausgesucht, einen Platz gefunden und uns fertig gemacht für die Nacht. Jetzt heißt es: Gepäck sichern. Ein Punkt, in dem ich zugegeben etwas naiv bin. Aber auch ich habe inzwischen beim Klauen beobachtet. Von daher sehe ich die Gefahr durchaus und versuche es zumindest ein bisschen, mit dem Gepäcksichern.
Dafür gilt: Handy nicht nachts laden (Tipp: Flugmodus rein, sonst braucht das Handy ziemlich viel Akku beim Netz-Suchen), sondern sicher am Körper verstauen (ich habe leider immer noch keine Hose mit Reißverschluss. Von daher liege ich dann häufig auf meinem Handy).
Gepäck sollte so verstaut werden, dass man da nicht einfach dran kommt. Ich verstaue meinen Rucksack meistens unter dem Sitz und schnalle ihn da fest. So kann man ihn zumindest nicht ganz so einfach mitnehmen. Gleichzeitig sollte man seine Fahrkarte möglichst griffbereit haben. Nachts gibt es immer mal Personalwechsel und damit kann es durchaus sein, dass man mehrfach kontrolliert wird.
Und dann kann man warten, bis die erste Kontrolle durch ist (in vielen Nachtzügen macht das Personal den ersten Rundgang ziemlich bald nach dem Startbahnhof). Oder man legt sich einfach schlafen und beschließt, dass man sich lieber wecken lässt.
Wie schon gesagt: Meine Schlafposition ist auf einem Doppelsitz - entweder auf dem Rücken oder auf der Seite. Ich persönlich schlafe dabei am liebsten mit dem Kopf zum Gang. Konnte ich mir am Anfang gar nicht vorstellen, aber so kann ich meine Beine viel entspannter an der Außenwand anlehnen und brauche keine Angst zu haben, dass sie mitten in den Gang ragen.
Eine Zeit lang habe ich auch mit dem Kopf auf meinem Rucksack geschlafen (an der Wand), aber zum einen ist mir aufgefallen, dass ich ziemlich oft die Position wechsle und der Rucksack dann doch einige Zeit „unbeaufsichtigt“ offen stand und zum anderen reise ich nur noch selten mit dem großen Rucksack…
Insgesamt muss man die Schlafpositionen aber einfach ausprobieren. Jeder, der öfter mal im Zug schläft, hat so seine eigene Lieblingsposition. Das hängt natürlich auch von persönlichen Vorlieben und dem Körperbau ab. Jemand, dessen Oberkörper länger ist, als die Sitzbreite, kann natürlich schlecht auf dem Rücken auf dem Doppelsitz schlafen. Jemand, der eine Waagerechte braucht, kann schlecht an die Wand gelehnt schlafen. Genauso zeigt die Erfahrung, ob man die Sitze lieber beide schief stellt oder nicht (ich stelle sie gerne beide schief, wenn ich auf dem Rücken schlafe. Auf der Seite nicht immer. Manchmal finde ich es da auch bequemer, wenn nur der Sitz, auf dem mein Kopf ist, ausgezogen ist).
Also seid nicht enttäuscht, wenn es nicht direkt beim ersten Mal eine super Nacht wird. Da braucht man auch einfach ein bisschen Routine. Die Geräusche sind ja auch alle neu und am Anfang ist alles neu und aufregend. Daran gewöhnt man sich aber mit der Zeit.
Achso. Aufwachen muss man ja auch noch… Dafür einen Wecker stellen (gerne per Vibration oder ganz leise, damit nicht alle geweckt werden, wenn dein Wecker klingelt…) - Erfahrungsgemäß sind 30 Minuten vor Ankunft eine ganz gute Zeit. Häufig wird es aber auch in der Stunde vor Ankunft im Zielbahnhof eh so unruhig im Wagen, dass man von ganz allein aufwacht.
Geheimtipps:
Was ich mit dem Beitrag erreichen will
Also ja, ich fahre gerne Zug und ich habe das Nachtfahren als zeit- und geldsparende Alternative zum Hotel lieben gelernt. Wenn man aber niemanden hat, der einem erklärt, worauf man achten sollte, ist man ziemlich schnell sehr frustriert (ich spreche da aus eigener Erfahrung). Also falls demnächst bei dir auch eine Nachtfahrt ansteht, möchte ich dir ein paar Tipps an die Hand geben. Quasi ein schriftliches Coaching.
Und falls du immer gedacht hast, Nachtfahrten sind nichts für dich, weil du da eh nicht schlafen kannst, möchte ich dir mit diesem Beitrag ein bisschen die Skepsis nehmen. Vielleicht probierst du es ja einfach mal aus. Am Anfang ist es bestimmt holprig, aber vielleicht nicht so sehr, wie du immer dachtest. 😉
Und wenn ihr dann auch mal mit dem Zug über Nacht gefahren seid, könnt ihr ja mal eure Erfahrungen hier kommentieren. Oder eure ultimativen Tipps und Tricks mit mir teilen. 😊