2,5 Tage Urlaub im Zug

Wenn man 60 Stunden und unbegrenzt viele Züge zur Verfügung hat. Was kann man dann alles erleben? Was ich dabei so erlebt habe, darum geht es in diesem Blogbeitrag (den ich übrigens im Zug schreibe – wo auch sonst?)

2,5 Tage Urlaub im Zug

Knapp 60 Stunden, über 3.500 Zugkilometer, über 37 Stunden reine Fahrzeit in 21 Zügen, 5-11 Städte gesehen (je nachdem, ob die Stadt auch zählt, wenn man quasi nur den Bahnhof anschaut…), mehr als 15 Bahnhöfe gesehen, quasi alle Verkehrsmittel ausprobiert (Regio, S-Bahn, EC, ICE, Schiff, … alles dabei), in 7 DB-Lounges Kaffee getrunken, unzählbar viele neue Erinnerungen gesammelt.

Wie es dazu kam und was ich dabei so erlebt habe, darum geht es in diesem Blogbeitrag (den ich übrigens im Zug schreibe – wo auch sonst?)

Im Oktober habe ich Lasse kennengelernt. Wie haben uns in den insgesamt knapp 2,5 Stunden, die wir uns schon gesehen hatten, direkt verstanden und weil er ja sowieso im Zug lebt und ich ein paar Tage am Stück frei hatte, haben wir uns verabredet, einfach gemeinsam ein bisschen Zug zu fahren. Dabei hat man entspannt Zeit, miteinander zu quatschen, kann aber auch einfach gemeinsam aus dem Fenster schauen und außerdem fahren wir ja beide gerne Bahn, also ideal.  (übrigens: Falls dich mehr interessiert, wer Lasse ist und wie sein Leben im Zug aussieht, kannst du mal durch seinen Blog stöbern). Im Vorhinein zu überlegen, was man eigentlich braucht, war gar nicht so einfach. Man möchte möglichst wenig mitnehmen, weil man das ja ständig mitnehmen muss, aber man möchte ja auch auf „alles vorbereitet“ sein. Und so kam dann beispielsweise auch ein Kissen noch in den Rucksack, was man jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte, aber halt schon auch sehr bequem war. Abgesehen von dem, was ich sowieso immer einpacke, hatte ich dann eigentlich nur noch eine dünne Decke dabei und im Nachhinein war ich auch ganz zufrieden mit dem, was ich eingepackt hatte.

Aber zum spannenden Teil: Was haben wir eigentlich erlebt? Ich musste am Donnerstag noch in die Uni, Lasse war noch unterwegs und kam aus Berlin, also haben wir uns nachmittags in Köln in der DB-Lounge getroffen. Ohne Plan und ohne Erwartungen (also ich zumindest). Wir haben dann mal geschaut, was so für Züge fahren (Lasse hatte natürlich im Hinterkopf, von wo man gut in einen Zug über Nacht einsteigen kann, ich nicht so sehr) und haben uns dann für einen Ausflug nach Hamburg entschieden. So richtig viel von der Stadt haben wir nicht gesehen – war auch schon dunkel – aber wir sind Elbfähre gefahren (die Fähre ist nur für uns gefahren, sonst war kein Passagier an Board) und wir waren auf der Elbphilharmonie, um die Aussicht zu genießen.

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Wusstest du, dass man da kostenlos hochkommt? Man muss sich zwar ein Ticket besorgen, aber dafür nichts zahlen und das Gepäck kann man auch in den kostenlosen Schließfächern unten lassen.

Nach diesem nächtlichen Ausflug durch das schöne Hamburg gings dann kurz zum Hauptbahnhof in die Lounge um sich „nachtfertig“ zu machen und dann auch direkt weiter nach Hamburg Altona zu unserer ersten gemeinsamen „Nachtfahrt“ (keine Ahnung, ob man das beim Zugfahren auch sagt…) Es ging einmal mit dem ICE921 von Hamburg nach Frankfurt.

Das war sehr entspannt. Wir haben uns ein Abteil im ICE1 ergattert (die alten Züge haben noch einige Abteile) und konnten uns so jeder auf drei Sitzen breitmachen. Die Nacht war erstaunlich bequem und ich habe echt nicht viel mitbekommen nachts.

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Wenn man nachts fährt, sollte man wirklich schauen, dass man direkt beim Endbahnhof einsteigt und sich direkt die besten Plätze sichert. Zum einen, weil man dann (ein bisschen) mehr Zeit hat, um sich einzurichten und dann auch zu schlafen und zum anderen, weil die Platzwahl tatsächlich Einfluss auf die Schlafqualität hat. Gerade im Abteil kann man viel besser schlafen, aber wenn da mehr als zwei Personen drin sind, klappt das mit dem Schlafen schon wieder nicht mehr so gut…

Tag 2 begann morgens früh gegen halb 7 im Zug kurz vor Frankfurt. Schnell alles einpacken, bevor wir ankommen. Wir sind so einmal von Endhaltestelle zu Endhaltestelle gefahren (hab ich auch noch nicht so oft gemacht…) In Frankfurt gings wieder in die Lounge um uns für den Tag fertig zu machen und einen Kaffee zu trinken. Mit dem Frühstück in der Hand ging es dann aber auch ziemlich bald weiter zum ICE nach Nürnberg.

Von Nürnberg gings dann weiter Richtung Schnee. Das war mein großer Wunsch. Zwar war ich das Wochenende vorher schon mal kurz in den Schnee gefahren, aber weils in Köln ja quasi fast nie schneit und wir eh durch die Gegend fahren wollten, hab ichs mir gewünscht. Wir sind also erstmal nach München und von dort aus weiter nach Starnberg gefahren.

Dort hats richtig schön geschneit und der See war wirklich wunderschön. Lasse hatte nicht das richtige Schuhwerk an (richtig dumm von ihm, schließlich hat er ja alles immer dabei… hätte nur die Schuhe tauschen müssen), von daher habe ich mich köstlich amüsiert während er mal mehr, mal weniger durch die Gegend gerutscht ist.

Von Starnberg gings dann mit einem kurzen Stopp zum Essen wieder zurück nach München, wo wir dann in unser zweites Schlafquartier „eingezogen“ sind. Dieses Mal war es der ICE698, ein ICE4, der von München nach Berlin ganze 10 Stunden unterwegs ist. Das Schlafen war nicht ganz so bequem, weil es kein Abteil gab und wir auf den Sitzen geschlafen haben, aber erholsam war der Schlaf trotzdem. Aufgewacht bin ich nur immer wieder von Durchsagen… In der Nacht war das große Schnee-Chaos im Süden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass unser Zug der letzte Zug war, der aus München weggefahren ist, bevor der Bahnhof für ein paar Tage gesperrt wurde. Aber deshalb hatten wir dann nachts noch einen zusätzlichen Halt und haben Menschen mitgenommen, deren Zug irgendwo gestrandet ist…

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Das spannende an Nachtzügen: Die haben oft an verschiedenen Bahnhöfen sehr viel Aufenthalt. So kann Verspätung in der Regel wieder aufgeholt werden. Wir kamen beide Male pünktlich am Zielbahnhof an.

Morgens bin ich bin ich dann irgendwo im Nirgendwo aufgewacht, während wir an verschneiten Bäumen vorbeigefahren sind. Dadurch, dass der Zug so spät erst in Berlin ankam, konnte ich meinen Morgen noch ganz entspannt im Zug verbringen, bevor es in Berlin dann erstmal den morgendlichen Kaffee gab.

Auf unserer „ToDo-Liste“ für den dritten Tag standen noch Dresden und Halle. Also haben wir uns einen EuroCity herausgesucht, der ganz entspannt durch die verschneite Landschaft nach Dresden fuhr (und dann noch weiter nach Prag). Wir saßen im letzen Wagen und weil hinten keine Lok angespannt war, konnte man richtig schön durch das Fenster in der Tür nach hinten rausschauen. Vor lauter guten Gesprächen haben wir es aber irgendwie verpasst, ein Video davon zu machen. Sorry.

In Dresden haben wir uns tatsächlich nur den Bahnhof angeschaut. Der ist nämlich ganz spannend: Es gibt einen Kopfbahnhof mit Empfangsgebäude und ebenerdigem Gleiszugang und daneben gibt es aber auch noch Durchgangsgleise, die ein Stück höher liegen, zu denen man wie bei einem normalen Durchgangsbahnhof über eine Treppe kommt. Schon spannend. (Fun-Fact am Rande: In Köln war das im 19. Jahrhundert auch noch so!) Nach der Bahnhofsbesichtigung ging es also direkt weiter nach Leipzig – eigentlich nur zum Umsteigen.

Meine Laune war eh schon ganz gut, aber dann habe ich kurz vor Leipzig eine Dampflok fahren sehen, was meine Laune nochmal mächtig angehoben hat. Wir kommen also schon richtig gut gelaunt in Leipzig an und beim Einfahren sehen wir am Bahnsteig nebenan einen alten Personenzug mit Dampflok stehen. Spontan sind wir hin und haben der Dampflok beim Ausfahren zugeschaut. Ein absolutes Highlight. Mitfahren konnten wir nicht, die Stadtrundfahrt war schon ausgebucht und knapp 40€ wollten wir auch nicht unbedingt dafür ausgeben, aber der Lok beim Ausfahren zuzuschauen war auf jeden Fall auch richtig schön!

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt (ich nenne es Spaziergang zur S-Bahn, Lasse hat es Stadtführung genannt) gings dann mit der S-Bahn nach Halle – Postboten spielen – und nach einem kurzen Plausch auch quasi direkt weiter nach Frankfurt, wo sich unsere Wege dann auch getrennt haben. Wir sind noch gemeinsam zum Flughafen gefahren, wo ich mich in den Zug zurück nach Köln gesetzt habe. Lasse ist dann wieder zurück zum Hbf um von dort in sein fahrendes Schlafquartier Richtung Hamburg zu steigen.

Was ich auf der Fahrt wieder einmal festgestellt habe: Ich mag Zugfahren. Ich fühle mich dort wie in meinem Mobilen Wohnzimmer. Spätestens seit ich immer meine Tischdecke dabei habe und so ziemlich als erstes ausbreite, ist der Sitz inklusive Tisch auf jeden Fall „mein Bereich“, in dem ich mich ausbreiten kann und den ich so nutzen kann, wie ich das will. Und wo ich schon zu Hause keine Tischdecke habe, freue ich mich sehr darüber, wenn ich unterwegs bin. 😊